Geschichte
Über 100 Jahre Fechttradition in Gießen
1884 wurde mit Gründung der Fechtabteilung im TV 1846 dem Fechtsport in Gießen eine dauernde Stätte geschaffen. Die ersten regelmäßigen Fechtstunden wurden damals vom Universitätsdiener Hoffmann geleitet. Gefochten wurde, bis zur Einführung der leichten Sportwaffen in den Jahren 1910-12, noch mit dem schweren Säbel und dem Schläger, wie sie die Studenten auch heute noch bei ihren Mensuren benutzten.
Die Gießener Fechter waren auf vielen Turnieren in Kreis- und Gauebene geachtet und machten sich auch auf den deutschen Turnfesten einen Namen. Verbunden sind diese Erfolge mit dem Namen Adolf Noll, der nicht nur ein aktiver Fechter war, sondern auch die Abteilung erfolgreich leitete. Unterbrochen wurde die Entwicklung des Fechtbetriebes durch den ersten Weltkrieg, der aber nach dem Krieg von Adolf Noll gleich wieder aufgenommen wurde und erfolgreich fortgesetzt werden konnte.
Im Jahre 1930 wurde eine Damen-Fechtabteilung gegründet, die unter der Leitung von Ludwig Gerhard schon nach einem Jahr erste Erfolge feierte. Die Gebrüder Gerhard waren in dieser Zeit besonders erfolgreich. Sie erkämpften sich mehrere Gaumeisterschaften und waren bis zum Ausbruch des 2. WK regelmäßig bei den deutschen Meisterschaften vertreten. Nach dem Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde der Fechtbetrieb zwar noch aufrecht erhalten, mußte aber dann nach einiger Zeit ganz eingestellt werden. Nach dem Ende des Krieges wurde das Fechten zunächst als "militärische Übung" von den Besatzungsmächten verboten. Mit der Gründung des Hessischen Fechterverbandes konnte es aber wieder offiziell betrieben werden. In Gießen erfreute sich das Fechten unter der Leitung von Ludwig Gehrhard großen Zuspruchs, die Abteilung wuchs schnell auf 30 Mitglieder heran. Die Übungsstunden wurden damals in der Aula der Pestalozzischule abgehalten. Für die ständig wachsende Abteilung wurde dieser Raum bald zu eng. Man mußte sich mit diesen Verhältnissen aber arrangieren bis eine neue Räumlichkeit gefunden war. Die Fechter vertraten ihre Farben wieder auf vielen Turnieren.
Den größten Erfolg der Abteilung in der Nachkriegszeit feierte 1955 Lothar Günther, der bei den deutschen Florettmeisterschaften in Stuttgart den 10. Platz belegte.
Neben dem TV 1846 gab es in Gießen mit dem MTV 1887 noch einen zweiten Sportverein, in dem ebenfalls eine Fechtabteilung bestand. Die Athleten des MTV erreichten ähnliche Erfolge wie die des TV. Seit 1930 waren hier ebenfalls Damen aktiv. Im Jahre 1957 beschlossen die Mitgliederversammlungen beider Turnvereine mit großer Mehrheit den Zusammenschluß. Damit beginnt die Geschichte des Männerturnvereins 1846 C. R. Gießen (MTV 1846 Gießen). Jetzt nahm auch das Fechten einen größeren Umfang an. Die Aula wurde endgültig zu klein und man bekam für einen Abend in der Woche die Turnhalle der Schule zugeteilt. In dieser findet das Training bis heute statt. Die größte fechterische Veränderung machte die Abteilung und der gesamte Fechtsport mit der Einführung des E-Floretts durch. Intern tauchen außerdem viele neue Fechternamen auf, die auf vielen Turnieren für ihren Verein aktiv waren.
In den 80er Jahren ging der Fechtbetrieb leider zurück und stand fast vor dem "Aus". Zu verdanken ist es Lothar Günther das dies nicht eingetreten ist. Mit großem Engagement baute er die Abteilung wieder auf. Da die vorhandenen Trainingszeiten nicht ausreichen zieht die Abteilung vorübergehend in den vollständig ausgestatteten "Fechtkeller" seines Privathauses um. Mit einem neuen Trainer sind nun auch qualifizierte Übungsstunden möglich. Es gelingt ihm mit jungen Nachwuchsfechtern eine Jugendgruppe aufzubauen, deren erfolgreiche Arbeit sich bis in die Gegenwart auswirkt.
Auch in der jüngsten Vergangenheit konnten unsere Fechter Erfolge verzeichnen. So wurde das Säbelteam im Jahr 2003 mit Sylvain Broyer, Christoph Schulz, Tilman Nöske und Andreas Stomps Zweiter im Deutschlandpokalfinale in Saalfeld.
Seit vielen Jahren wird das Training von unserem Fechtmeister Alexander Novikov geleitet, der seit 2006 von seiner Frau Larissa unterstützt wird. Unter der Leitung von Norman Hirzmann besteht seit 2006 eine Säbelgruppe. In 2007 verzeichnete unsere Abteilung einen starken Mitgliederzuwachs. Die vielen neuen Fechter können nun nicht mehr während der bestehenden Trainingszeiten unterrichtet werden. Seit Oktober 2007 haben die Anfänger unter der Leitung von Übungsleiter Kevin Schäfer daher eine eigene Trainingszeit. Dank der vielen jugendlichen Fechter und dem kompetenten und engagierten Trainergespann freuen wir uns auf die Zukunft und die neuen Erfolge, die es zu erreichen gilt.
