Gießens schnellster Läufer rennt in Berlin um seine Zukunft: Mamiyo Hirsuato greift nach historischem Hessen-Rekord
Wenn am 29. März 2026 der Startschuss zum Berliner Halbmarathon fällt, trägt Mamiyo Hirsuato mehr als nur das Trikot des LAZ Gießen (MTV 1846). Der Ausnahmeathlet, der längst zur Identifikationsfigur der mittelhessischen Laufszene geworden ist und bereits zahlreiche Erfolge und Rekorde verbuchen konnte, startet nun im internationalen Elite-Feld. Sein sportliches Ziel ist historisch: Er will die „Schallmauer" von einer Stunde durchbrechen und den offiziellen Hessen-Rekord (1:01:45 h) nach Gießen holen. Doch während die internationale Laufwelt auf Berlin blickt, geht es für Hirsuato persönlich um weit mehr als um Sport.
Ein Ausnahmetalent für Mittelhessen
Die Vorzeichen sind beeindruckend: Im Training absolvierte Hirsuato zuletzt 20 Kilometer in unfassbaren 58 Minuten – ohne Konkurrenz, ohne Pacemaker, ohne Adrenalin. Eine Zeit unter 60 Minuten über die Halbmarathon-Distanz wäre ein absolutes Novum in der Geschichte des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV). „Er bringt Leistungen auf die Straße, die man sonst nur von Weltklasse-Athleten aus den großen Leistungszentren kennt", betont Mehmet Tanriverdi, 1. Vorsitzender des MTV Gießen.
Der wichtigste Lauf seines Lebens
Trotz dieser Erfolge findet Hirsuatos wichtigstes Rennen abseits der Tartanbahn statt. Parallel zu seiner sportlichen Karriere kämpft er zusammen mit zahlreichen Unterstützern in einem Härtefallverfahren um sein Bleiberecht in Deutschland. „Wir setzen uns intensiv dafür ein, dass Mamiyo bleiben darf. Er ist voll integriert, ein Vorbild im Verein und ein Aushängeschild für ganz Hessen", erklärt Tanriverdi. „Es ist ein Paradoxon: Er läuft im Elite-Feld um Weltklasse-Zeiten, während seine persönliche Zukunft völlig ungewiss bleibt." Ein Erfolg in Berlin – sei es das Unterbieten der 60-Minuten-Marke oder der offizielle hessische Rekord – wäre daher auch ein unübersehbares Argument für sein Bleiberecht und das öffentliche Interesse an seinem Verbleib.
Medizinische Bewunderung für mentale Stärke
Diese existenzielle Ungewissheit ist eine Last, die normalerweise jede sportliche Höchstleistung im Keim ersticken würde. Dr. Bernd Hanewald, leitender Oberarzt an der hiesigen Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie enger Unterstützer des Athleten, beobachtet diese Diskrepanz mit fachlicher Hochachtung. „Als Psychiater weiß ich um die enorme psychische Belastung, die ein unsicherer Aufenthaltsstatus und die drohende Abschiebung bedeuten. Viele Menschen würden unter diesem Druck zerbrechen", so Hanewald, der selbst leidenschaftlicher Läufer ist. „Dass Mamiyo trotz dieser massiven täglichen Last Leistungen auf Weltklasseniveau erbringt und dabei seine bescheidene, disziplinierte Art bewahrt, ist medizinisch und menschlich tief beeindruckend. Es zeugt von einer außergewöhnlichen Resilienz, die ihn weit über den Sport hinaus zum Vorbild macht."
Die Gießener Sportwelt drückt ihrem „schnellsten Mitbürger" die Daumen. In Berlin läuft Mamiyo Hirsuato nicht nur gegen die Uhr. Er läuft für seine sportliche Heimat in Gießen und ein Leben in Sicherheit.
